Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Niemand hört es gern, Daß man ihn Greis nennt.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Klassische Walburgisnacht. Am oberen Peneios, Greif zu Mephisto

Der Rost macht erst die Münze wert.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Felsbuchten des ägäischen Meers, Thales zu Proteus

Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle.

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 2. Teil, 1811-1812. Motto zum 6. Buch

Wer in einem gewissen Alter frühere Jugendwünsche und Hoffnungen realisieren will, betrügt sich immer, denn jedes Jahrzehnt des Menschen hat sein eigenes Glück, seine eigenen Hoffnungen und Aussichten.

Goethe, Die Wahlverwandtschaften, 1809. 2. Teil, 12. Kap.

Das Alter kann kein größeres Glück empfinden, als daß es sich in die Jugend hineingewachsen fühlt und mit ihr nun fortwächst.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Gustav Carus, 23. März 1818

Gewiß wird man durch anhaltende Bedienung vor der Zeit alt und unfähig.

Goethe, J. W., Tagebücher. 1786: Italien. Reise für Frau von Stein, 1. Stück: Von Carlsbad auf den Brenner in Tyrol

Zweimal färbt sich das Haar; zuerst aus dem Blonden ins Braune, Bis das Braune sodann silbergediegen sich zeigt.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Aus >Weissagungen des Bakis<

Alter macht nicht kindisch, wie man spricht, Es findet uns nur noch als wahre Kinder.

Goethe, Faust. Eine Tragödie. Vorspiel auf dem Theater, 1808. Lustige Person

Wenn einer wie ich über die achtzig hinaus ist, hat er kaum noch ein Recht zu leben; er muß jeden Tag darauf gefaßt sein, abgerufen zu werden, und daran denken, sein Haus zu bestellen.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Johann Peter Eckermann, 15. Mai 1831

Es wäre nicht der Mühe wert, siebzig Jahr alt zu werden, wenn alle Weisheit der Welt Torheit wäre vor Gott.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Aus Makariens Archiv

Man darf nur alt werden, um milder zu sein; ich sehe keinen Fehler begehen, den ich nicht auch begangen hätte.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 1.Heft, 1824

Man muß keine Jugendfehler ins Alter hineinnehmen, denn das Alter führt seine eigenen Mängel mit sich.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Johann Peter Eckermann, um den 16. August 1824

Hat einer dreißig Jahr' vorüber So ist er schon so gut wie tot.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Szene: Hochgewölbtes enges gotisches Zimmer, Baccalaureus zu Mephistopheles

Im hohen Alter, wo uns die Jahre nach und nach wieder entziehen, was sie uns früher so freundlich und reinlich gebracht haben, halte ich für die erste Pflicht gegen uns selbst und gegen die Welt, genau zu bemerken und zu schätzen, was uns noch übrig bleibt.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Friedrich Moritz Paul Graf von Brühl, 15. Oktober 1831

Es ist nichts Tröstlicheres in älteren Jahren, als aufkeimende Talente zu sehen, die eine weite Lebensstrecke auszufüllen versprechen.

Goethe, J. W., Briefe. An Abraham Mendelssohn-Bartholdy, 5. Dezemer 1821

Zeige man doch dem Jüngling des edel reifenden Alters Wert und dem Alter die Jugend, daß beide des ewigen Kreises Sich erfreuen und so sich Leben im Leben vollende!

Goethe, Hermann und Dorothea. Versepos, 1797. Urania. Aussicht. Pfarrer zu den Eltern

Es ziemt sich dem Bejahrten weder in der Denkweise noch in der Art, sich zu kleiden, der Mode nachzugehen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben

Älter werden heißt selbst ein neues Geschäft antreten; alle Verhältnisse verändern sich, und man muß entweder zu handeln ganz aufhören oder mit Willen und Bewußtsein das neue Rollenfach übernehmen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 2. Heft, 1825

Am Ende des Lebens gehen dem gefaßten Geiste Gedanken auf, bisher undenkbare; sie sind wie selige Dämonen, die sich auf den Gipfeln der Vergangenheit glänzend niederlassen.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 2. Heft, 1825

Das Leben ist den Sibyllinischen Büchern ganz gleich: je knapper, umso teurer.

Goethe, J. W., Briefe. An Friedrich Maximilian Klinger, 8. Dezember 1811

Wie eine Flamme, die nun erst den Holzstoß recht ergriffen, verzehrt die Zeit das Alter schneller als die Jugend.

Goethe, Elpenor, Trauerspiel, Fragment, 1781. 1. Szene, 2. Auftritt, Evadne zu Elpenor