Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

708 Sprüche Aufklärung

Ein alter Mann ist stets ein König Lear! – Was Hand in Hand mitwirkte, stritt, Ist längst vorbeigegangen, Was mit und an dir liebte, litt, Hat sich woanders angehangen; Die Jugend ist um ihretwillen hier, Es wäre törig zu verlangen: Komm, ältele du mit mir.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 1

Das Schlechte kannst du immer loben, Du hast dafür sogleich den Lohn! In deinem Pfuhle schwimmst du oben Und bist der Pfuscher Schutzpatron.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 5, Erstdruck 1827

Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan, 1814 - 1819. Buch der Betrachtungen

Das Alter muß docheinenVorzug haben, Daß wenn es auch dem Irrtum nicht entgeht, Es doch sich auf der Stelle fassen kann.

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 3. Akt, 4. Szene, Antonio zu Leonore

Ich bin zu alt, um etwas zu tadeln, Doch immer jung genug, etwas zu tun.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 4

Laßt zahme Xenien immer walten, Der Dichter nimmer gebückt ist. Ihr ließt verrückten Werther schalten, So lernt nun, wie das Alter verrückt ist.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 4

Läßt mich das Alter im Stich? Bin ich wieder ein Kind? Ich weiß nicht, ob ich oder die andern verrückt sind.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 3

Wer lange lebt, hat viel erfahren, Nichts Neues kann für ihn auf dieser Welt geschehn.

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Laboratorium, Mephistopheles zu Wagner

Da ich noch ein Kind war, hört ich stets: der Jugend Führer sei das Alter; beiden sei, nur wenn sie als Verbundne wandeln, Glück beschert.

Goethe, Palaeophron und Neoterpe. Ein Festspiel zur Feier des 24. Oktober 1800, 1800

Man spricht immer vom Studium der Alten; allein was will das anders sagen als: Richte dich auf die wirkliche Welt und suche sie auszusprechen; denn das taten die Alten auch, da sie lebten.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Johann Peter Eckermann, 29. Januar 1826

Die echte Konversation Hält weder früh noch Abend Stich; In der Jugend sind wir monoton, Im Alter wiederholt man sich.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Zahme Xenien, Kap. 3

Wenn man fühlt, daß man mit den Jahren vielleicht an Übersicht und Geschmack gewonnen hat, so glaubt man einigen Ersatz zu sehen, wenn sich Energie und Fülle nach und nach verlieren will.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Ludwig von Knebel, 17. September 1799

Die Männer altern, und die Frauen verändern sich.

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 1812-1813, 3. Teil, 14. Buch

Und so bleibt denn im höchsten Alter uns die Pflicht noch übrig, das Menschliche, das uns nie verläßt, wenigstens in seinen Eigenheiten anzuerkennen und uns durch Reflexion über die Mängel zu beruhigen, deren Zurechnung nicht ganz abzuwenden ist.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Julius Moritz Seebeck, 3. Januar 1832

Alles geben Götter, die unendlichen, Ihren Lieblingen ganz, Alle Freuden, die unendlichen, Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.

Goethe, J. W., Gedichte. Nachlese. Aus einem Brief an Auguste zu Stolberg, Weimar 17.7.1777

Laß unsern Herrgott aus dem Spaß.

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Nacht, Valentin zu Gretchen

Gottes ist der Orient! Gottes ist der Okzident! Nord- und südliches Gelände Ruht im Frieden seiner Hände.

Goethe, J. W., Gedichte. West-östlicher Divan, Buch des Sängers, Talismane

Wie einer ist, so ist sein Gott, Darum ward Gott so oft zum Spott.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Zahme Xenien 4

Was der Mensch alsGottverehrt, Ist sein eigenstes Innere herausgekehrt.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Friedrich Wilhelm Riemer, zwischen 1804 und 1812

Es gibt Theologen, die wollten, daß es nur einen einzigen Menschen in der Welt gegeben hätte, den Gott erlöst hätte; denn da hätte es keine Ketzer geben können.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben

Gott, wenn wir hoch stehen, ist alles; stehen wir niedrig, so ist er ein Supplement unsrer Armseligkeit.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Literatur und Leben