Fort, daß wir müßig nicht die Zeit versitzen: Die Stunde, die noch unser, laßt uns nützen!
Am Stirnhaar laß den Augenblick uns fassen, Denn unsre schnellsten Schlüsse Beschleicht der unhörbare, leise Fuß Der Zeit, eh sie vollzogen sind.
Zeit ist wie ein Wirt nach heut'ger Mode, Der lau dem Gast die Hand drückt, wenn er scheidet, Doch ausgestreckten Arms, als wollt' er fliegen, Umschlingt den, welcher eintritt.
Geduld nur: Zaubrer wissen ihre Zeit.
Begegnen wir der Zeit, wie sie uns sucht.
Die Zeit reiset in verschiednem Schritt mit verschiednen Personen.
Jedes Ding hat seine Zeit.
Es ruht noch manches im Schoße der Zeit, das zur Geburt will.
Bis zur Vollführung einer furchtbar'n Tat Vom ersten Antrieb ist die Zwischenzeit Wie ein Phantom, ein grauenvoller Traum.
Wenn ich den Stundenschlag der Uhr vernehme, und seh den Tag in schwarze Nacht versinken, wenn ich ein Veilchen am Verwelken sehe, und silberweiß aus schwarzen Locken blinken, wenn hohe Bäume jetzt kein Blatt mehr tragen, die vor der Hitze noch das Vieh bewahrt, und Sommers Grün, in Garben weggetragen, wird nun mit weißen Stoppeln aufgebahrt: Wo bleibt dann deine Schönheit, frag ich mich: Du wirst in der Verschwendung untergehn! Läßt Süß das Süß, und Schön das Schön im Stich, so wird es sterbend andre wachsen sehn. Was kann der Sichel Zeit denn widerstehn? Nur eigen Blut, das bleibt, mußt du schon gehn.
Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur.
Die Hoffnung auf Genuß ist fast so süß, als schon erfüllte Hoffnung.
Hoffnung ist schnell und fliegt mit Schwalbenschwingen; Aus Kön'gen macht sie Götter, Kön'ge aus Geringen.
Erfahrung wird durch Fleiß und Müh' erlangt und durch den raschen Lauf der Zeit gereift.
Seid heiter, da ihr's sein könnt; ach, der Kelch des Lebens leert sich bald, und seine Hefe, Erfahrung nennt man sie, ist bitter.
Sonett 44 Wär meines trägen Fleisches Stoff Gedanke, Nie hemmt' ein Abstand feindlich meine Bahn; Dem Raum zum Trotz von jeder fernen Schranke Wollt ich mich dir, wo du auch weiltest, nahn. Mir wär es gleich, hätt' ich zum fernsten Strande Von dir hinweg auch meinen Fuß gelenkt; Denn der Gedanke fliegt durch Meer und Lande So schnell als er, wohin er strebt, sich denkt. Doch daß ich nicht Gedanke, der Gedanke Ist Tod; ich folgte gern dir viele Meilen; Aus Staub und Naß gezeugt, klag ich und kranke Mit Stöhnen, will die Zeit nicht rasch enteilen. Nichts kann so träger Urstoff uns verleihn Als bittre Thränen, Zeichen unsrer Pein.
Gedanken sind nicht Taten; Vorsätze nur Gedanken.