William Shakespeare (1564–1616)

220 Sprüche Renaissance

Fort, daß wir müßig nicht die Zeit versitzen: Die Stunde, die noch unser, laßt uns nützen!

Shakespeare, Verlorene Liebesmüh, dt. auch: Liebes Leid und Lust (Love’s Labour’s Lost), Erstdruck 1598

Am Stirnhaar laß den Augenblick uns fassen, Denn unsre schnellsten Schlüsse Beschleicht der unhörbare, leise Fuß Der Zeit, eh sie vollzogen sind.

Shakespeare, Ende gut, alles gut (All's Well That Ends Well), Erstdruck 1623

Zeit ist wie ein Wirt nach heut'ger Mode, Der lau dem Gast die Hand drückt, wenn er scheidet, Doch ausgestreckten Arms, als wollt' er fliegen, Umschlingt den, welcher eintritt.

Shakespeare, Troilus und Cressida (Troilus and Cressida), Erstdruck 1610

Geduld nur: Zaubrer wissen ihre Zeit.

Shakespeare, König Heinrich VI. (King Henry VI), Erstdruck 1598. 2. Teil, 1591-1592. Erster Aufzug, zweite Szene, Bolingbroke

Begegnen wir der Zeit, wie sie uns sucht.

Shakespeare, Cymbeline (The Tragedie of Cymbeline), Erstdruck 1623

Die Zeit reiset in verschiednem Schritt mit verschiednen Personen.

Shakespeare, Wie es euch gefällt (As You Like It), Erstdruck 1623

Jedes Ding hat seine Zeit.

Shakespeare, Komödie der Irrungen (The Comedy of Errors), Erstdruck 1623

Es ruht noch manches im Schoße der Zeit, das zur Geburt will.

Shakespeare, Othello, Erstdruck 1622

Bis zur Vollführung einer furchtbar'n Tat Vom ersten Antrieb ist die Zwischenzeit Wie ein Phantom, ein grauenvoller Traum.

Shakespeare, Julius Cäsar, Erstdruck 1623. II, 1, Julius Cäsar

Wenn ich den Stundenschlag der Uhr vernehme, und seh den Tag in schwarze Nacht versinken, wenn ich ein Veilchen am Verwelken sehe, und silberweiß aus schwarzen Locken blinken, wenn hohe Bäume jetzt kein Blatt mehr tragen, die vor der Hitze noch das Vieh bewahrt, und Sommers Grün, in Garben weggetragen, wird nun mit weißen Stoppeln aufgebahrt: Wo bleibt dann deine Schönheit, frag ich mich: Du wirst in der Verschwendung untergehn! Läßt Süß das Süß, und Schön das Schön im Stich, so wird es sterbend andre wachsen sehn. Was kann der Sichel Zeit denn widerstehn? Nur eigen Blut, das bleibt, mußt du schon gehn.

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Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur.

Shakespeare, Die lustigen Weiber von Windsor (The Merry Wives of Windsor), unautorisierter Erstdruck 1602

Nichts hält die wahre Hoffnung auf. Sie fliegt mit Schwalbenflügeln.

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Die Hoffnung auf Genuß ist fast so süß, als schon erfüllte Hoffnung.

Shakespeare, König Richard II. (The Tragedy of King Richard the Second), Erstdruck 1597

Im Elend bleibt kein anderes Heilungsmittel als Hoffnung nur.

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Hoffnung ist schnell und fliegt mit Schwalbenschwingen; Aus Kön'gen macht sie Götter, Kön'ge aus Geringen.

Shakespeare, König Richard III. (The Tragedy of King Richard the Third), Erstdruck 1597

Erfahrung wird durch Fleiß und Müh' erlangt und durch den raschen Lauf der Zeit gereift.

Shakespeare, Zwei Herren aus Verona (The Two Gentlemen of Verona), Erstdruck 1623

Seid heiter, da ihr's sein könnt; ach, der Kelch des Lebens leert sich bald, und seine Hefe, Erfahrung nennt man sie, ist bitter.

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Mach deine Gedanken nicht zu deinem Gefängnis.

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Ergänzt mit den Gedanken unsre Mängel.

Shakespeare, König Heinrich V., Raubdruck 1600

Sonett 44 Wär meines trägen Fleisches Stoff Gedanke, Nie hemmt' ein Abstand feindlich meine Bahn; Dem Raum zum Trotz von jeder fernen Schranke Wollt ich mich dir, wo du auch weiltest, nahn. Mir wär es gleich, hätt' ich zum fernsten Strande Von dir hinweg auch meinen Fuß gelenkt; Denn der Gedanke fliegt durch Meer und Lande So schnell als er, wohin er strebt, sich denkt. Doch daß ich nicht Gedanke, der Gedanke Ist Tod; ich folgte gern dir viele Meilen; Aus Staub und Naß gezeugt, klag ich und kranke Mit Stöhnen, will die Zeit nicht rasch enteilen. Nichts kann so träger Urstoff uns verleihn Als bittre Thränen, Zeichen unsrer Pein.

Shakspere's Sonette, deutsch von Benno Tschischwitz, Barthel, Halle 1870. Originaltext der Übersetzung

Gedanken sind nicht Taten; Vorsätze nur Gedanken.

Shakespeare, Maß für Maß (Measure for Measure), Erstdruck 1623. 5. Aufzug, 1. Szene, Isabella