Gott Sprüche – klassisch

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Die Werke des Menschen überleben ihn; Gott aber überlebt seine Werke.

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Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier: Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Es ist erstaunlich, daß noch nie ein kanonischer Autor sich der Natur bedient hat, um Gott zu beweisen.

Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände (Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets), Erstdruck 1669/70 (posthum)

Die Götter wohnen überall! Sie anzuflehn steht schwachen Menschen schön.

Schiller, Semele, Singspiel in zwei Szenen, 1782. 1. Szene, Juno

Alle Werke Gottes sind unerforschlich und unaussprechlich, keine Vernunft kann sie aussinnen, allein der Glaube faßt sie ohne alle menschliche Kräfte und Zutun.

Luther, Tischreden oder Colloquia, 1566

Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät habe ich dich geliebt! Und sieh, bei mir drin warst du, und ich lief hinaus und suchte draußen dich, und häßlich ungestalt warf ich mich auf das Schöngestaltete, das du geschaffen. Du warst bei mir, und ich war nicht bei dir. Und was von dir solang mich fernhielt, waren Dinge, die doch, wenn sie in dir nicht wären, gar nicht wären. Du aber riefst und schriest und brachst mir meine Taubheit. Du blitztest, strahltest und verjagtest meine Blindheit. Du duftetest, und ich trank deinen Duft und atme nun in dir. Gekostet hab ich dich, nun hungre ich nach dir und dürste. Und du berührtest mich, ich aber glühte in Sehnsucht auf, in Sehnsucht nach deinem Frieden.

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Die Majestät und Herrlichkeit des göttlichen Wortes ist unaussprechlich und wir können Gott nimmermehr dafür danken.

Luther, Tischreden oder Colloquia, 1566

Gleich den übrigen Göttern und Götzen ist das Eigentum ein menschliches Produkt.

Liebknecht, Die Grund- und Bodenfrage. Vortrag, gehalten im Saal des Schützenhauses zu Meerane am 11. März 1870, Leipzig 1874

Gott hat seine Höflinge, die ihm schmeicheln, als wenn er ein Fürst wäre.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [145]

Die Menschen haben viele Götter erfunden und werden dies noch weiterhin tun, aber keinen, den sie nicht glaubten, hintergehen zu können.

Pauly, Aphorismen, 1905

Was hat denn das Volk von seinen Göttern, wenn es sich nicht ihretwegen prügeln darf?

Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 2. vermehrte Auflage 1885 (EA: 1879)

Gott gibt umsonst, was er gibt. Es ist Gnade und muß Gnade bleiben. Er ist kein Krämer; er verkauft nichts; schenken will Gott.

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Die Götter wollen nicht der Menschen Blut, sie wollen, daß sie leben und gedeihen.

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Sie [die Götter] reden nur durch unser Herz zu uns.

Goethe, Iphigenie auf Tauris, 1787. 1. Akt, 3. Szene, Iphigenie zu Thoas

Es erfüllt sich des Schicksals Spruch, nicht Träne versöhnt, nicht Klagegeschrei, nicht Jammer den nie auslöschenden Zorn der beleidigten himmlischen Mächte!

Aischylos, Agamemnon (Erster Teil der Orestie), 458 v. Chr

Je mehr das Sinnliche verneint wird, desto sinnlicher ist der Gott, dem man das Sinnliche opfert.

Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1841

Falle nicht, Gott, aus deinem Gleichgewicht. Auch der liebt und der dein Angesicht erkennt im Dunkel, wenn er wie ein Licht in deinem Atem schwankt, – besitzt dich nicht. Und wenn dich einer in der Nacht erfaßt, so daß du kommen mußt in sein Gebet: Du bist der Gast, der wieder weiter geht. Wer kann dich halten, Gott? Denn du bist dein, von keines Eigentümers Hand gestört, so wie der noch nicht ausgereifte Wein, der immer süßer wird, sich selbst gehört.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Das Stundenbuch. Das Buch von der Pilgerschaft, 1901

Ein Erdgott wirkt nur in seiner Heimat Wunder.

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Man sieht leicht, wie hier [im Neuplatonismus] die Erlösung nicht allein von Ewigkeit her beschlossen, sondern als ewig notwendig gedacht wird, ja, daß sie durch die ganze Zeit des Werdens und Seins sich immer wieder erneuern muß. Nichts ist in diesem Sinne natürlicher, als daß die Gottheit selbst die Gestalt des Menschen annimmt, die sie sich zu einer Hülle schon vorbereitet hatte, und daß sie die Schicksale desselben auf kurze Zeit teilt, um durch diese Verähnlichung das Erfreuliche zu erhöhen und das Schmerzliche zu mildern.

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 1811. 2. Teil, 8. Buch

Wer Gott verneint, der fürchtet ihn immer noch.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Die Quelle des Ideals ist der heiße Durst nach Ewigkeit, die Sehnsucht nach Gott, also das Edelste unsrer Natur.

Schlegel, F., Briefe. An seinen Bruder, 17. Mai 1792