Leben Sprüche – sinn

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Drei gute Dinge sind: strenge Erziehung, heilsame Stöße des Schicksals und Durst nach Wahrheit. Man darf wohl fröhlich sein; drei Dinge sind schön: ein wohlgeratener Mann, eine wohlgetan hold Weib und der blaue lichte Himmel. Drei Dinge sind schöner: Gesang, edle Sitten und gutes Gespräch. Drei Dinge sind die schönsten: Erkenntnis, Tätigkeit und selbstlose Liebe. Drei Dinge sind klein: ein Floh, ein Zwerg und ein Mensch, der nicht sterben will den Tod des Ich. Drei Dinge sind häßlich: eine Kröte, die dumpfe Lust und die Angst vor dem Geistlicht.

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Ach! an der Erde Brust Sind wir zum Leide da.

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Nacht, Chor der Jünger

Was ich soll? Wer löst mir je die Frage? Was ich kann? Wer gönnt mir den Versuch? Was ich muß? Vermag ich's ohne Klage? So viel Arbeit um ein Leichentuch!

Platen, Gedichte. Ausgabe 1834. Romanzen und Jugendlieder. Aus: Noch im wollustvollen Mai des Lebens

Schone des Lebens, damit herznagende Sorg' es nicht töte.

Braun, Die Weisen von Hellas als Sänger; oder: Blumen griechischer Lyrik, Elegie und ethischer Dichtkunst, 1822

Wenn du leben willst, mußt du zunächst an deinem eigenen Begräbnis teilnehmen.

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Gebunden führt der Weg uns alle durch das Leben, Sanft, wenn wir willig geh'n, rauh, wenn wir widerstreben.

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Was ist der Tod gegen ein Leben ohne Mut zum Leben?

Bjørnson, Über die Kraft I (Over Ævne I), 1883

Nach bestimmten Gesetzen treten wir ins Leben ein, die Tage sind gezählt, die uns zum Anblicke des Lichts reif machen, aber für die Lebensdauer ist kein Gesetz. Der schwächste Lebensfaden zieht sich in unerwartete Länge, und den stärksten zerschneidet gewaltsam die Schere einer Parze, die sich in Widersprüchen zu gefallen scheint.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 8. Buch, 8. Kapitel

An den Scheidewegen des Lebens ist die erste kleine Pflicht, die sich zeigt, gewöhnlich ein Wegweiser.

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An meinem Leben liegt mir gar nichts. Was hat man von die fünfzig bis sechzig Jahre langen Luftschnapperei? Da hat sich die Natur ausgezeichnet! Ohne Luft kann man nicht leben, und von der Luft kann man aber auch nicht leben. Kannst du uns Luft geben umsonst, gib uns die Nahrung auch zu diesem Preis! Zu was die Plag und das G'frett? 's Leben ist sein Lebtag nicht wert, daß man sich so 's Leben abifrißt, um sich's 's Leben zu erhalten.

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Es wäre besser gewesen, es wie alle Welt zu machen, das Leben weder zu ernst noch allzu lächerlich zu nehmen.

Flaubert, November (Novembre), 1842; deutsch von E. W. Fischer, Leipzig 1916

Was dem Leben eines Menschen erst Wert gibt, ist ein besonnenes Urteil und eine stetige Arbeitskraft.

Freytag, Soll und Haben, 1855

Man soll nicht mehr lernen, als man unbedingt gegen das Leben braucht.

Kraus, Pro domo et mundo, 1912. III. Von Journalisten, Ästheten, Politikern, Psychologen, Dummköpfen und Gelehrten

Eine der Ursachen unseres Ungemachs ist die, dass wir uns in unserer Lebensweise nach dem Beispiel anderer richten und uns nicht durch die Vernunft leiten lassen, sondern der Gewohnheit als Führerin folgen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 123. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924)

Ein Album ist der Menschen inn'res Leben, Das aufbewahrt in Gottes Händen bleibt, Ein leeres Blatt wird Jeglichem gegeben, Und Jeder ist nur, was er darauf schreibt.

Feuchtersleben, Gedichte aus dem Nachlass (in: Sämmtliche Werke in sieben Bänden, 2. Band), 1851

Das Leben – es ist die Erinnerung an den vorüberfliegenden Tag, den wir zu Gast zugebracht haben.

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Es gibt keinerlei Lebensbedingungen, an die sich der Mensch nicht gewöhnen könnte, namentlich wenn er sieht, daß seine ganze Umgebung das gleiche Leben führt.

Tolstoi, Anna Karenina (Анна Каренина), 1873-78

Das Leben ist für die meisten ein Geschäft.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1840

Auf die ewige Lebendigkeit aber kommt es an: Was ist am „ewigen Leben“ und überhaupt am Leben gelegen!

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 2. erweiterte Auflage 1886 (EA: 1878). Zweiter Band. Erste Abteilung. Vermischte Meinungen und Sprüche

Der Mensch lebt nicht für sich allein. Es gibt eine unsichtbare und unzerreißbare Gemeinsamkeit: das Band der Achtung, der Ehre, ein treues Gedenken, eine tätige Liebe.

Auerbach, Das Landhaus am Rhein. Roman, 5 Bde., 1869

Eine außerordentliche Sorge trieb den Menschen, sein Dasein zu verlängern. Er hat alles, was ihm möglich war, dazu getan. In betreff seines Körpers die Grabmäler, in betreff seines Namens den Ruhm.

Montaigne, Essais, Erstdruck 1579, erste Gesamtausgabe 1595 (posthum)