Leben Sprüche – sinn

1867 Sprüche gefunden

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Welcher Berg von Schuld erhebt sich über dem kleinen Worte Leben!

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Wer aber lebt, muß es klar sich sagen: Durch dies Leben sich durchzuschlagen, Das will ein Stück Rohheit. Wohl dir, wenn du das hast erfahren Und kannst dir dennoch retten und wahren Der Seele Hoheit. In Seelen, die das Leben aushalten Und Mitleid üben und menschlich walten, Mit vereinten Waffen Wirken und schaffen Trotz Hohn und Spott, Das ist Gott.

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Unser Leben hat den Sinn, die Aufgabe zu lösen. Aber das ist nicht eine kurze Rechnung. Das Rechnen der Aufgabe nimmt das ganze Leben in Anspruch, erst auf dem Sterbebett können wir es abschließen.

Ernst, Erdachte Gespräche, 1921

Wäge doch, Menschheit, wäge doch den Wert des Lebens auf dem Todbette des Menschen!

Pestalozzi, Lienhard und Gertrud, 4 Bde., 1781-87

Willst du todt sein für die Mitwelt, Um der Nachwelt Dank zu finden? Nimmer duften dir die Kränze, Die sich um den Grabstein winden. Darum stirb nicht um zu leben, Sondern lebe bis zum Sterben, Und die Sorge um die Zukunft Überlasse deinen Erben.

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Ein Haufen von unbeglichenen Rechnungen – von solchen, deren Bezahlung man uns schuldig blieb und solchen, die wir nicht begleichen konnten – das ist am Ende die Bilanz unseres Lebens.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927

Das Leben hienieden ist ein Kampf, und es wird niemand gekrönt, er kämpfe denn recht.

Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1838-39

Werallestief nehmen will, wird im Meer des Lebens bald auf Sand oder Klippen sitzen.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Das Dasein ist nur erträglich, wenn man seine elende Persönlichkeit vergißt.

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Das Menschenleben – das Nichts, das der Löwe richtiger einschätzt als der Mensch.

Weber, Durch die Lupe, 1907

Einmal will ich, das versprech ich, ohne Liebgekose leben, Wann die Blumen hier im Garten nach den Tafeln Mose leben; Hör ich abends auf den Straßen einen Vogel, eine Flöte, Sag ich bei mir selbst: Es möge dieser Virtuose leben! Freund! es ist der Lenz gekommen, unsre Wege sind verschieden: Lebe wie die keusche Lilje, laß mich wie die Rose leben! Laßt mich euren Rat vernehmen, was das Beste sei von Zweien: Weise leben, lose reden? Weise reden, lose leben? Wollt ihr mich durchaus verkennen, tut es immerhin, denn immer Werd ich, ob ich lächle drüber oder mich erbose, leben!

Platen, Gedichte. Ghaselen

Das Leben magst du wohl vergleichen einem Feste, Doch nicht zur Freude sind geladen alle Gäste. Gar manchen, scheint es, lud man nur, um die Beschwerde Zu übertragen, daß die Lust den andern werde. Den Esel lud man einst zu einem Hochzeitschmause, Weil es zu tragen Holz und Wasser gab im Hause. Der Esel dachte stolz, geladen bin ich auch. Ja wohl, beladen mit dem Tragreff und dem Schlauch.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Wie der Arbeiter, welcher ein Gebäude aufführen hilft, den Plan des Ganzen entweder nicht kennt, oder doch nicht immer gegenwärtig hat, so verhält der Mensch, indem er die einzelnen Tage und Stunden seines Lebens abspinnt, sich zum Ganzen seines Lebenslaufes und des Charakters desselben.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 5: Paränesen und Maximen

Man soll nicht so viel Angst vor dem rein animalischen Leben machen und es nicht als den schrecklichsten Zustand vorstellen, in den wir geraten können. Denn es ist allemal besser, wenn man einem Schaf als einem bösen Geist gleicht. [...] Ich sehe die Menschen lieber auf dem Felde Gras fressen als daß sie sich in den Städten gegenseitig verschlingen.

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Wer das Leben nicht, wie ein solcher Ringer, umfaßt hält, und tausendgliedrig, nach allen Windungen des Kampfs, nach allen Widerständen, Drücken, Ausweichungen und Reaktionen, empfindet und spürt: der wird, was er will, in keinem Gespräch, durchsetzen; viel weniger in einer Schlacht.

Kleist, Von der Überlegung. Eine Paradoxe

Ein freier Mensch denkt mehr an das Leben als an den Tod.

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Bedenk', bedenk', o Menschenkind, Dein Leben ist wie Spreu im Wind, Der Tod hat schnelle Flügel! Wer weiß, wie bald der Morgen graut, Wo man das letzte Haus dir baut, Sein Dach auf grünem Hügel. Was jagst du mit so viel Beschwer Nach Gold und Macht, nach Ruhm und Ehr?

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Hoff' nicht allzu viel vom Leben: Was im Überfluß zu geben Manchmal es verspricht, Hält es schließlich nicht! Doch verzag' auch nicht am Leben: Was es nie versprach zu geben, Gibt es plötzlich oft Reich und unverhofft!

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Zwischen der Wieg und dem Sarg wir schwanken und schweben Auf dem großen Kanal sorglos durchs Leben dahin.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Epigramme. Venedig 1790

Nichts ist vernünftiger als der Wille, zu leben.

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Lebenszweck Hülflos in die Welt gebannt, Selbst ein Rätsel mir, In dem schalen Unbestand, Ach, was soll ich hier? – Leiden, armes Menschenkind, Jede Erdennot, Ringen, armes Menschenkind, Ringen um den Tod.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893